
Mit einer gewaltigen Wucht drückt sich der Sommer unverschämt am Frühling vorbei und knallt laut und grell viel zu früh ins Leben rein. Überrumpelt und verwirrt liegt der Lenz in der Ecke und versteht die Welt nicht mehr. Und da ist er nicht alleine.
Einem Terroranschlag gleich stellt er Sommereinbruch meine gemächlich eingerichtete Winterexistenz auf den Kopf. Vor zehn Tagen noch Gedanken an's Snowboarden verschwendet, und ob morgens noch lange Unterhosen für die Fahrt zur Arbeit besser sind. Und jetzt ganz andere Dinge im Kopf:
-Wo sind die Flip Flops?
-Hatte ich nicht eigentlich auch Shorts irgendwo?
-Brauche ich neu Sommer-Shirts?
-Wohin mit dem Snowboard?
-Was machen gegen den Winterspeck?
-Habe ich noch Sonnencreme im Haus?
Stress.

Aber es ist schön zu beobachten: Die Menschen überfluten die Gassen der Stadt, die Plätze der Straßencafés sind bis auf den letzten Stuhl besetzt. Jeder hat gute Laune, man steckt sich gegenseitig mit den
good vibrations an.
Ein paar wenige, die noch Winterjacken tragen, werden von den Mitmenschen mitleidig belächelt, als wären sie Eskimos auf dem völlig falschen Kontinent. Oder als wären sie ewig Gestrige, die die Zeichen der Zeit nicht erkannt haben. April steht für Umbruch! Für Revolution! Freiheit für die eingesperrte Seele: Kurze Röcke und knappe T-Shirts helfen dabei.

Wer Angst hat, dass das nur ein kleiner Kurzbesuch war und das dicke Ende noch kommt, der wird durch einen Blick auf die Wettervorhersage beruhigt.