Untergekommen bin ich bei meinem alten Uni-Mitstreiter W., dessen Wohnung im Süden der Stadt liegt, dem "Quartier Vauban". Von zwei Balkonen aus (Ost- und Westseite) kann man das Treiben im jüngsten aller Stadtviertel Freiburgs beobachten. Das ehemalige Kasernenviertel wurde zu einem nahezu autofreien Stadtviertel umgebaut. Zwischen den bunten Häusern (bei deren Baustil man an LEGO denken muss) wuchert viel grüne Natur. Auf vielen Dächern stehen schräg geneigt, grauen Schieferplatten gleich die Solarflächen. Fast alle Häuser sind nach energiearmen Standards gebaut.
Horden von Kindern spielen auf den vielen gepflegten Rasen und verkehrsberuhigten Straßen im Freien, tollen herum und lärmen. Unverantwortlich. Wer denkt an alle die alten Rentner und Studenten, die sich tagsüber ausschlafen müssen. Ach, Moment, die gibt es hier ja gar nicht. Das Vauban ist ein eigener Kosmos für sich.Der Taxifahrer, der mich vom Bahnhof zu W. bringen sollte, meinte nur lapidar, dass er sich dort nicht auskenne, und ich müsste ihm dann zeigen, wo genau meine Straße wäre. "Das wurde erst nach meiner Prüfung gebaut, und die ganzen Namen, die lerne ich nicht mehr. Die sind ja auch alle so lange. Und manchmal weiß man auch gar nicht wer das war. Also, Marie Curie, die sagt mir schon noch was. Aber wer war Kurt-Tucholsky?" Aha.
Jedenfalls dachte ich mir, das wäre doch ideal für ihn heute noch was dazuzulernen, auch mit Mitte 50. Leider habe ich mich verschätzt, oder meinen Chauffeur überschätzt. Denn wie es der Zufall wollte sollte genau dieses Taxi 8 Stunden später uns am Ende der Party wieder nach Hause fahren - und der Fahrer konnte sich partout nicht weder an mich, noch an unser Gespräch, geschweige den genauen Weg erinnern. Frustrierend.
Zur schon erwähnten Party musste ich alleine hinfinden, denn W. war bereits mit koreanischen Freunden zuvor dorthin aufgebrochen. Ich fand bei der Adresse ein Haus, dessen Fenster im ersten Stock mit roten Aufklebern zugeklebt waren, auf denen "1-2-3-Erotik" stand. Konnte das mein Ziel sein?
Nicht ganz, denn die Party war im Haus gegenüber, in dem in allen drei Stockwerken WGs waren. Und auch das Motto lautete anders: "Studienabschluss- Hurra!". So tummelten sich auf allen drei Stockwerken verteilt ca. 150 Leute Mitte Zwanzig. Je nach Geschmack fand sich für jeden was: im Erdgeschoss spielte eine Gruppe Spanier Gitarre (laut), im ersten Stock gab’s Indie und Rock (lauter), im obersten Stock letztlich Reggae und Electro/Dance (noch mal lauter). Im verwinkelten Gässle halte es wunderbar nach aufgeregtem Geschwätz und brummenden Bässen. Ich holte mir ein Bier, begab mich zu meinen Freunden und wartete auf die Polizei, die unweigerlich irgendwann kommen musste.
Um 5:10 Uhr gaben wir das Warten auf. Hatten viele Leute getroffen, viel getrunken und getanzt. Erschöpft suchten wir ein Taxi, Ergebnis siehe oben. Wir nahmen sogar noch jemanden mit, der gar nicht zu uns gehörte, aber schon völlig entnervt war, weil er seit einer haben Stunde vergeblich ein Taxi haben wollte und keins vorbeikam. Er begleitete uns Richtung Süden in die Vauban, von wo es auch dann für ihn nach Hause ging. Etwas blöd war, dass er komplett entgegensetzt wohnte und deshalb doppelte Strecke zahlen musste. Aber so konnte er ein wenig der 37.000 Euro, die er im Lotto gewonnen hatte, bereits sinnvoll investieren.

1 Kommentar:
Also diesen Monat bist du wirklich faul...!
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