Dienstag, 30. Juni 2009

Michael, Stendal und der Streit

Ich höre auf der Fahrt nach Stendal Michael Jackson's "History", zwei Stunden lang singt, steppt und johlt er aus den Lautsprechern. Manchmal bekomme ich Gänsehaut, und das liegt nicht nur an der Klimaanlage. Wo sind die Stars von heute im Musik-Business, die so unverhohlene Gutmenschenlieder wie "Man in the Mirror" oder den Earth-Song zum Besten geben? Wie war das damals? Zigtausende singen alle gemeinsam auf einem Konzert "Heal the World", und keiner kommt sich dabei komisch vor? Heutzutage fast unvorstellbar.

Stendal ist nett, angenehm, norddeutsch - zumindest für meine süddeutsch-bayrischen Augen. Das Stadtbild ist geprägt von einem baulichen Dreiklang, der sich am besten so beschreiben lässt: Backstein-Fachwerk-Ruine, Backstein-Fachwerk-Ruine, ... . Was auffällt: Die Stadt ist eher weitläufig angelegt, mit viel Platz zwischen den Häusern, ganz anders als man es von den verwinkelten Gassen und eng zusammengepferchten Häusern der Regensburger Altstadt kennt. Vieles erinnert mich rein architektomisch z.B. an Riga, eine Stadt die ebenfalls in der Hanse war. Man merkt, wie stark kulturell verbunden der nordeuropäische Raum um Ost- und Nordsee einmal war.

Die Stadt liegt übrigens (für den, der es noch nicht weiß) in Sachsen-Anhalt, dem selbsternannten "Land der Früh-Aufsteher", wie man auf den Schildern an der Autobahn lesen kann. Land der Frühaufsteher? Klar, weil jeder zwei Stunden zur Arbeit fahren muss, oder?

Im Supermarkt werde ich Zeuge einer Auseinandersetzung zwischen zwei Frauen. Es dringen Worte wie "Nutte", "Schlampe" und "Fotzenfrau" an meine zarten, unschuldigen Öhrchen. Eine Edeka-Frau geht dazwischen und versucht zu schlichten. Vergebens. Ich sehe: Eine der beiden Kontrahentinnen ist einen Kopf größer als ich, hat nur noch die Hälfte der Zähne, aber einen Bartwuchs der meinem in nichts nachsteht. Ich habe den Eindruck, sie weiß wie man kämpft. Und sie ruft "Ich warte dann schon mal draußen".

Ich hatte mir Stendal als erste Station ausgesucht, weil nach meinen Berechnungen Stendal diejenige Stadt in Deutschland ist, die, in welche Richtung man auch immer fährt, am weitesten von einer Autobahn entfernt ist. Leider haben sich ein paar Fehler in die Berechung eingeschlichen (sinus und cosinus verwechselt, außerdem nach gregorianischem Kalender gerechnet), und wie ich jetzt weiß, gebührt der Titel "autobahntechnisch am meisten abgeschnitten vom Rest der Republik" der Stadt Salzwedel. Dort ist's sicher auch schön.

Landschaftlich gefällt es mir hier gut. Zwar alles sehr flach, aber die Weitläufigkeit ist angenehm. Und beim satten, warmen Abendlicht kommt fast italienisches Flair auf. Die Natur wuchert sehr üppig. Brachliegende Felder und Wiesen und alter Baumbestand (richtig knorrig und verwachsen) entlang der Straßen verstärken den Eindruck, man befinde sich ganz woanders.

Mittwoch, 17. Juni 2009

Caramba ... Caracho ... Ohje!


Neulich beim Bahnhof. Dieses Überholmanöver ging wohl etwas daneben.

"Huch, war da was vor mir? Wo kommt denn der Bus plötzlich her?"

Man spürt noch die Wucht, mit der sich das Auto in den Bus bohrt.

Rechts vor Links zu beachten lohnt sich.

(Es ist nicht mein Auto! Keiner der Beteiligten wurde ernsthaft verletzt.)

Fällt jemandem dazu noch mehr ein?

Samstag, 6. Juni 2009

Muffins are Friends! Not Food!

Gestern war Poetry Slam in der alten Mälze - leider zum letzten Mal in dieser Saison, den nächsten gibts erst wieder im Oktober. Für mich aber war's das erste Mal, dass ich mir das hier angesehen habe. Der Laden war rappel voll, das hatte ich nicht erwartet. Die Stimmung war super, die meisten der "Poeten" wirklich klasse, ein rundum gelungener und saukomischer Abend.

Kein Wunder, die Organisatoren überlassen das wohl auch nicht ganz dem Zufall. Neben drei Slammern aus Regensburg, die sich kurz zuvor erst angemeldet hatten, waren einige Szenegrößen aus Süddeutschland angereist. Was auffällt: es tummeln sich viele Frauen auf diesen Slam-Bühnen. Zum Beispiel Frau Wortwahl aus Nürnberg, die auf ihremT-Shirt das sympathische Statement "Muffins are Friends! Not Food!" zum Besten gab.

Vielleicht ein paar Worte, worum's bei einem Poetry Slam eigentlich geht. Ein paar Mutige stellen sich nacheinander auf eine Bühne, und versuchen die Gunst des Publikums durch ihre Texte für sich zu gewinnen. Die Regeln für einen Auftritt sind einfach:
- maximal 5 Minuten sprechen
- kein Gesang (höchstens als Zitat)
- keine Utensilien, keine Instrumente, keine Hilfsmittel
- und nur eigene Texte vortragen.
Zu guter Letzt entscheidet (je nach Veranstalter) eine Jury oder das Publikum (per Applaus) wer in die Endrunde kommt und dann Sieger des Slams wird. Ausgebuht wird niemand, denn wer buht der hat von dann an sieben Jahre Pech.

Gewonnen hat den Poetry Salam gestern Harry Kienzler, und zwar mit diesen Texten über seinen Traum und seine Angst (je 5 Minuten). Schaut Euch das mal an, dann bekommt ihr auch ne Vorstellung davon, wie es da so zugeht.

Wer mehr wissen will, hier Links zu mySlam bzw. zum Programm vom 5.6.09 in Regensburg. Die Bilder sind von der Münchner Westend Kiezmeisterschaft (18.April 2009); oben Deef vor Publikum; unten Bumillo, der dort ebenfalls aufgetreten war.

Party Electronica

Schon bei der Ankunft am Frankfurter Bahnhof merkt man, dass man in der Stadt angekommen ist, in der Geld gedruckt wird. Für drei dürre Teigteilchen (mein Abendessen) verlagt die Verkäufern des Bahnhofbäckers fast 7 Euro - und das in der Happy Hour zwischen 21.00 und 22.00 Uhr. Somit sollte klar sein, ich bin in nicht in Frankfurt an der Oder angekommen.

Die Wohnungseinweihungsparty eines Freundes (der nebenbei auch mit Gelddrucken beschäftigt ist) führt mich und eine Handvoll weiterer Leute in die Metropole am Main. Samstags verbringe ich die Zeit mit einem Spaziergang am Main und über die Zeil. Abends beginnt dann die Party, die perfekt organisiert ist. Knapp 20 Gäste machen sich her über:

- Garnelen- und Hühnchenspieße (vom Grill!)
- Melonen und Schinken
- Bowle und Sekt
- Gin Tonic und Campari-Orange
- Curry-Ingwer-Suppe und Nudelsalat
- Cola und Apfelsaft
- Bier und Daiquiris

Die Partymeute ist gut gemischt: Studenten und Banker, Softwareingenieure und Chemiker, Franken und Pfälzer, Bayern und Dresdner. Alle sind angenehm nett, witzig und offen. Die knapp 20 Leute verteilen sich über das weitläufige Wohnzimmer (was mein späteres Schlafzimmer sein wird, Schlafsack ist dabei) und den geräumigen Südbalkon.

Es scheint, als wären die meisten Leute hier technischen Spielereien nicht abgeneigt. Eine ganze Armada von iPods und iPhones sorgt dafür, dass immer die richtige Musik läuft. Als die Stimmung gegen 2.00 Uhr morgens etwas abzuflauen droht bringt das (man will's kaum glauben) unterm Schrank versteckte Wii Balance Board wieder Schwung in die mittlerweile vom Alk etwas geschwächten Sofahocker. Später wird zu Mario Kart gewechselt, und plötzlich holen einige Gäste auch noch ihre mitgebrachten Wii Wheels hervor.

Wer denkt das wäre der Tod der Party gewesen, der irrt. Ganz im Gegenteil. Es ging bis kurz vor 5.00 Uhr. Und wäre sicher noch länger so weitergegangen, wenn ich nicht die letzten Gäste etwas ruppig aus der Wohnung komplimentiert hätte mit der Aufforderung, doch endlich aus meinem Schlafzimmer (dem Wohnzimmer) zu verschwinden. Aber das kann jetzt auch im Nachhinein von den anderen erfunden worden sein. Daran erinnern kann ich mich jedenfalls nicht.

Unterzeichner Nr. 114043

Der Bundestag bietet die Möglichkeit, sich online über aktuell laufende Petitionen zu informieren und auch nach einer kurzen, einfachen Registrierung durch "Unterschrift" zu unterstützen. Die momentan wohl bekannteste und meist diskutierte ist die von Franziska Heine, die sich gegen die Sperrung und Zensur des Internets durch das BKA ausspricht.

Kein einfaches Thema, das ist klar, da es an ein so aufwühlendes Themen gekoppelt ist wie in diesem Fall. Wer will, kann sich bei diesen Artikeln aus der Zeit und dem Spiegel schlau machen, die kontroverse Stadtpunkte vertreten.

Danach sollte man sich fragen, was die Internetsperren wirklich bringen. Wer denkt, dass Ursula von der Leyens Vorstoß besser wieder im Schreibtisch verschwinden sollte, der sollte dann ebenfalls unterzeichnen. Denn ich denke, die vielleicht guten Absichten werden durch diese Maßnahmen nicht erreicht; kein unschuldiges Schicksal wird damit verhindert, solange man nicht aktiv an die Wurzel des Übels geht; doch das wäre der richtigere Weg.