
Von Stendal (war übrigens Hansestadt) aus geht’s zur Mecklenburgischen Seeplatte, bewusst über Landstraße und kleine Orte. Wer die Route verfolgen will: Stendal- Wittenberge - Bad Wilsnack - Havelberg - Bad Wilsnack - Neuruppin - Rheinsberg - Canow.

Sobald man durch ewig lange Alleen fährt weiß man: man befindet sich in Brandenburg. Spezielle Hinweisschilder warnen vor den Gefahren wild umherspringender Bäume, die im schlimmsten Falle auch für Autos nicht Platz machen wollen.

Auf der Reise begegnet mir immer wieder auch Regensburg in der einen oder anderen Form. Das erste mal in der Stephanskirche in Tangermünde (auch Hansestadt). Deren Restaurierung wurde/wird aus dem gleichen Denkmalschutztopf finanziert, mit dem auch die Arbeiten an der alten Kapelle in Regensburg bezahlt werden. Und nebenbei auch noch ein anderes Projekt in Plön, einem weiteren geplanten Etappe.

Das zweite Mal dann in Bad Wilsnack, einem ehemaligen Wallfahrtsort. Angeblich sollen bei einem Kirchenbrand im 12. Jhdt. drei Hostien unbeschadet das Feuer überlebt haben. Durch dieses Blutswunder (die Hostien waren mit rot verkrustetem Blut überzigen) wurde Wilsnack zu einem bedeutenden Wallfahrtsort. Pilger konnten sich sogenannte Blutsorden kaufen, als Beweis der erfolgreichen Wallfahrt. Der Handel mit und um die Blutsorden gewann über die Jahre rapiden Schwung, Wallfahrten wurden zu einem einträglichen Wirtschaftszweig. Zeitweise bestand der ganze Ort nur aus Wirtshäusern, um die ganzen Pilgerströme unterzubringen.
Luther schließlich prangerte diese Scharlatanerie und die damit verbundene finanzielle Ausbeutung der Gläubigen an. Es gab noch mehrere solcher Auswüchse wie in Wilsnack, und Luther nannte in einem Text auch explizit Regensburg. (Zur Erinnerung: das komplette jüdische Viertel wurde damals in Rgbg platt gemacht, an dessen Stelle wurde auf dem heutigen Neupfarrplatz die Neupfarrkirche gebaut bzw. geplant. Diese neugebaute, ursprünglich katholische Neupfarrkirche wurde von der bald zum Protestantismus gewechselten Stadt Regensburg evangelisch gemacht.) Letztlich führte der schamlose Ablasshandel schließlich zur Glaubensspaltung und zur Reformation. Wie sehr doch alles miteinander verbunden ist.
Soviel zum Exkurs in die Vergangenheit. Mittlerweile sind mir drei Dinge abhanden gekommen:
1.) Akkuladegerät für die Kamera; wohl schon in Leipzig verloren.
2.) Schlüssel für meine erste Unterkunft in Stendal. Da kam noch eine kleine Extrabelastung auf mich zu
3.) Die Orientierung, als ich wegen einer unerwarteten Baustelle eine Abkürzung durch die Felder gesucht habe, anstatt der ausgeschilderten Umleitung zu folgen. Trotz GPS hatte diese Abkürzung gut 45 Minuten gedauert.

Meine Unterkunft in Canow gehört Bodo Straubel, einem ehemaligen Radprofi aus der DDR. Ich habe das Saunazimmer bekommen, und es riecht aromatisch angenehm nach Fichtenholz und ätherischen Ölen.
Als Lektüre für die erste Woche lese ich mich durch „
Aufstand der Jungen“ von Wolfgang Gründinger. Es bietet eine fundierte Einführung darin, wie unsere Staatsfinanzen funktionieren, wie der Generationenvertrag zu verstehen ist, worin das eigentliche Problem der vermeintlichen „Überalterung“ besteht, und welche Vorteile die Umlagefinanzierung von Renten gegenüber einer kapitalbasierten Finanzierung hat.
Morgen gehts weiter an die Mecklenburgische Seenplatte, und dann ist erstmal Camping angesagt.