
Am Samstag den 30. Mai zieht die Mittelbayerische Zeitung eine erste Bilanz über die "Leise ist Sch..?"-Kampagne mit dem Titel "Lärm-Kampagne erntet Kritik". Darin gesteht sich beispielsweise Hemmingway's-Gastronom wie Claudio Alexe ein: "Diese Kampagne hat wenig Erfolg." Und Helmut Knyrim von der Bürgerinitiative
BIBA meint: "Die Lärmbelästigung ist unvermindert stark. Ein Umdenken der Feiernden ist nicht zu spüren."
Ich habe leider online den Text nicht gefunden, stattdessen versuche ich hier mal eine differenziertere Sicht der Dinge. Denn wie gesagt, das Spannungsfeld ist komplexer als man denken möchte.
Zum einen ist da das berechtigte Interesse der Altstadtbewohner, dass sie in Ruhe schlafen können. Schließlich ist es deren Wohnung, deren Haus, deren Lebensraum. Kann man auch verstehen, denn wer möchte schon, dass nächtens Horden Betrunkener gröhlend in den eigenen Vorgarten einfallen?
Zum anderen gibt es das - ebenfalls berechtigte - Interesse junger Leute, auszugehen, Spaß zu haben, einen draufzumachen. Das Alkohol dazugehört ist unbestritten. Wieviel und was man dann in solcher Stimmung macht ist dann die andere Frage.
Dann kommen auch noch ein paar starke finanzielle Interessen dazu, nämlich die der Regensburger Gastronomie und die der per Umsatzsteuer beteiligten Stadtverwaltung.
Zu guter letzt geht’s auch um’s Image: das Image der weltoffenen, international bekannten Studentenstadt, die natürlich mit anderen Uni- und Partymetropolen mithalten will, um attraktiv zu sein.
Und so kommt's zum Ballermann am Donaustrand.
In vielen seit Monaten geführten Streitgesprächen landet immer wieder ein Argument als erstes auf dem Tisch: „Wer in der Innenstadt lebt ist selber schuld und kann ja auch weiter rausziehen.“ Ein tolles Argument, das aber dann versagt, wenn an dort, wo man jahrelang vorher halbwegs gut pennen konnte, plötzlich im Nachbarhaus eine Diskothek eröffnet wird. Oder wenn das etablierte, gemütliche Lokal von gegenüber nach Besitzerwechsel im Voll-Power-Turbo-Disco-Modus betrieben wird.
Wer hat jetzt da dann recht?
Ein anderes Argument: „Wer großstädtisch feiern will kann ja auch in eine Großstadt ziehen.“ Dazu noch ergänzt: In größeren Städten ist es auch oft so, dass die „Partyviertel“ besser abgegrenzt sind von Einkaufs- und Wohnvierteln. Nur in kleinen Städten wie Regensburg fällt natürlich alles geographisch zusammen.
Eine Kiezbildung wie in Hamburg oder Berlin ist schlicht wegen der Größe der Kleinstadt Regensburg nicht möglich; das hätte aber den Vorteil, dass sich nicht alles auf einer handtuchgroßen Fläche von 0,4 Quadratkilometer abspielen müsste. Regensburg ist eben nicht Barcelona, London, Köln. Das einzusehen fällt manchen vielleicht schwer.
Aber der ewige Austausch der immer selben Argumente führt auch nicht weiter, außer dass sich bei den verschiedenen Lager der Blutdruck immer weiter erhöht. Was bleibt übrig?
Ordnungspolitische Maßnahmen wie:
- Sperrstundenverlängerung? Wird ein bisschen was bringen, aber nicht viel, denn ob jemand um 4 Uhr morgens oder um halb zwei wie am Spieß kreischt, ist fast egal.
- Ordner einsetzen? Auch nicht effektiv, denn die können auch nicht überall sein. Außerdem ist es ein blöder Job, vielleicht auch nicht ganz ungefährlich, und es riecht nach Orbigkeitsstaat, Bevormundung und Spaßbremse, was für das oben genannte Image schlecht wäre.
Bleibt das also ein Gordischer Knoten, der niemals gelöst werden kann? Oder gibt’s noch Ansätze, die etwas bringen? Bleibt's wirklich nur beim Wegziehen als letzte, persönliche Lösung?