"11:35: Wir beginnen den Aufstieg, der Himmel ist klar, die Moral der Gruppe ungebrochen!"
"11:37: Es wird schwierig, die erste Schweißperle auf der Stirn, die Luft wird dünn, das rechte Knie schmerzt!"
Die erste Stunde fühlte sich an, als würde ich sterben; Dauerpuls 180, Null Kondition. (Wen wunderts eigentlich, nach nur 5 Stunden Schlaf und 4 Tagen GTA 4 spielen?) Die Warnung zu Beginn "nur für Geübte" war nicht übertrieben: es ging von Anfang an recht steil los. Spätestens dann war das aber ernst zu nehmen, als wir eine Gedenktafel mit der Widmung "Er fiel nicht tiefer als in Gottes Hand" kurz vorm ersten Klettersteig entdeckten. Eigentlich tummeln sich nur Gämsen hier rum, dachte ich mir. Kleine Haufen aus Gämsenkügelchen am Weg bewiesen mir das. Zum Glück dampften die nicht mehr.

In der zweiten Stunde waren wir dann in der Hölle angekommen, in der "Weißen Hölle". Es kam der Schnee. Die Hälfte unserer Strecke stapften wir durch schier endlose Schneefelder aus nassem, schwerem, halbgefrorenem Schnee. Ohne Schneeschuhe (Mr.H: "Wir sind nicht ganz ideal ausgerüstet...") versinkt man schnell mal bis zu Hüfte im zwei Meter hohen Schnee. Seitlich von uns ging dann auch noch eine kleine Lawine ab. Ab dem Zeitpunkt plagten Mr.H massive Zweifel ob unserer Sicherheitslage.

Nach 2,5 Stunden hatten wir die Notkarspitze erreicht. Der Ausblick wäre bei klarer Sicht beeindruckend, beim nächsten Mal dann. Der Abstieg dauert nochmal 2,5 Stunden und führte über die Ziegelspitze auf ca. 1700m. Ein zweiter Gipfel sozusagen als Dreingabe, nett. Zu Eiswürfeln mutierte Zehen ("ich spür die echt nicht mehr!") und elegante Stürze im Schnee versüßten den Abstieg.

Nachwort: Dass man auf knapp 1900m Anfang Mai noch ausgedehnten Schnee findet, das erscheint ja ganz logisch. Wobei nach unserer Wanderung jeder der Beteiligten der Meinung war, dass man sich das hätte schon vorher denken können ... hätte müssen ... natürlich...

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